HörArt!

Leseprobe zu meinem Reisebericht nach Vietnam




Die Tage und insbesondere die Nächte vor der Abreise, brachten aufgrund der vielfältigen Berichte beispielsweise im Internet, oder von kompetenten Ärzten, Freunden und Büchern, meine hochfliegende Freude und Sicherheit, gehörig ins Wanken! Viren, Bazillen, tollwütige herumstreunende Hunde, dann doch auch noch der lange Flug, aktuell eine leichte Erkältung, ein Druck im Brustbereich, einige mehr oder minder schlaflose Nächte... und eines Nachts die Gewissheit: dir geht’s saumäßig, du bist krank! Leider wirst du nicht verreisen können! Wie schade!... Und in meinem Inneren lächelte ich, hatte ich doch mit dieser Gewissheit, alle Gefahren gebannt. Ich war gerettet und konnte meinem normalen Alltag wieder nachkommen! Endlich würde ich wieder tief und ruhig durchatmen können. Keine Sorgen mehr; und überhaupt: Vietnam kann man doch heute ganz bequem im Internet erleben. Ohne sich den Magen zu verderben, ohne gefährliche Busfahrten, ohne räuberische Gauner, die einem Geld, oder vom Moped aus den Fotoapparat entwenden. Wie wunderbar war dieser Gedanke! Doch irgendwie und aus irgendeinem Grund, klappte dieser Plan nicht; nämlich überhaupt nicht!



Zeitweise sitzt eine Person, manchmal eine ganze Familie auf einem solchen Gefährt. Sie transportieren fast alles mit ihm. Eine große Anzahl (circa 12) Bierkisten rauscht an mir vorbei, ein Presslufthammer, vier Autoreifen, eine Menge Kanister, rechts und links und obenauf angebunden, eine große Personenwaage, Kartons im Überformat und aufgetürmt, dann sehe ich den hinter dem Fahrer sitzenden Mann, der irgendeinen Ring mit einem geschätzten Durchmesser von knapp 2 Metern quer zum Moped und aufrecht hält, Gemüse, Fleisch, lebende Entenküken in riesigen Käfigen und zu Massen, Hunde und Schweine in Säcken, einmal streift mich der Flügel einer lebenden Ente, die von dem hinten am Moped sitzenden „Beifahrer“ kopfüber an den Beinen gehalten wird und allerhand undefinierbar Verpacktes. Dann sehe ich ein Moped in sehr langsamer Geschwindigkeit an mir vorbeikeuchen und einen großen grünen Karren vor sich her schieben. Ruckartig lenkt die Frau des Fahrers das Gefährt immer wieder in die richtige Richtung; die Reifen sind nicht lenkbar, also starr in eine Richtung. Und einmal sehe ich nicht einmal den Fahrer, beziehungsweise nur seinen Kopf, der sich zwischen seinem zu transportierenden Gut, total eingeschachtelt hatte.



Irgendwo im Nirgendwo zwischen Hanoi und dem Flughafen, bleiben sie auf einmal am Rand der sehr breiten Straße stehen. Es nieselt mittlerweile schon recht intensiv, aber ganz fein. Sie fragen mich, ob ich einen Tee trinken möchte. Ich bejae und wir gehen ein paar Meter weiter, wo doch recht improvisatorisch einige Planen kreuz und quer gespannt sind, sodass darunter eine niedere aber durchgängig trockene Fläche entsteht. Wir setzen uns auf diese typisch blauen Plastikhocker, die bei uns vielleicht einen Fußschemel hergeben würden. Die Knie sind fast auf Brusthöhe, juhu! Was für ein Erlebnis. Der extrem heiße grüne Tee wird in kleinen schlanken taillierten Gläsern serviert, hier sogar auf ebenfalls blauen niederen Tischchen. Was für ein Komfort. Ein roter Plastikeimer mit Wasser dient zum Abwaschen! Und weiter geht’s zum Flughafen.



Wir setzen uns in ein pavillonähnliches, rundes, gemütliches und bedachtes, man könnte sagen Separee und schon wird ein Kasten Bier herangeschleppt. Clemens „warnt“ uns: „In Vietnam trinkt man das Bier manchmal etwas anders. Mit Eis!“ Mir wird erstmal so, wie man hier manchmal das Bier trinkt, nämlich ein wenig anders...! War da nicht irgendwas mit dem Leitungswasser, das in irgendeiner Weise mit irgendeinem kleinen Raum zusammenhängt? Ich schaue in die circa zehn Personen fassende Runde, alle lächeln. Eis wird in Gläser gefüllt und Bier darüber gegossen und schon höre ich mich und etwa neun andere Menschen Prost, Cheers und Tschu tschu quai rufen und ein relativ kühles Bier, fließt an meiner leicht angespannten Kehle vorbei. Ich höre auf über Bakterien und Co nachzudenken. Immerhin bin ich ja nicht alleine... - und ich verrate hier schon einmal: alles war gut!



Eine neue Erkenntnis war es auch für die meisten unter uns, dass man benutzte Servierten, leere Plastikflaschen, abgenagte Knochen und alles andere, was man nicht mehr braucht, einfach auf den Boden unter den Tisch wirft. Bevor dann der nächste Gast Platz nimmt, wird schnell gefegt. In manchen Lokalen findet man dort Abfalleimer; allerdings eher selten, bis fast nie. Dann ging auf einmal ein Glas mit einer undefinierbaren, intensiv dunkelgelben Flüssigkeit herum. Circa ein viertel Liter. Jeder wurde aufgefordert zu kosten; nein! - die Auflösung erst danach. Ich malte mir schon die unmöglichsten Körperteile eines Tieres (man hat ja schon das eine oder andere gehört) in Alkohol getränkt, vor meinem geistigen Auge aus, bis ins Detail, dessen Sud wir nun trinken würden. Nach der ersten Geruchsüberprüfung war noch nicht klar, was da in Alkohol angesetzt worden war, aber das, schon. Ein Schlückchen und ein ganz eigener Geschmack und ein wärmendes Gefühl durchzieht meinen Körper. „Vielleicht tötet dieses Getränk all die bösen Bakterien des Eises im Bier?“, durchfährt es mich kurz. Dann folgt die Auflösung. Es ist ein in Alkohol gelegter Pilz. Ein Kilo kostet 70.000 Dollar. Mr. T. stellte 20 Liter Schnaps aus 100 Gramm her, die demnach logischer Weise 7000 Dollar kosteten. Was für ein Tröpfchen. Das Glas kommt immer wieder vorbei, immer wieder, wie von Geisterhand gefüllt und Mr. T. bezeugt, dass dieser Trunk stark macht und sehr gesund ist; na denn!



Weiter geht’s. Plötzlich höre ich relativ laute Musik auf der Straße. Ich wundere mich erst, wer da so geräuschvoll im Innern der Stadt unterwegs sein darf und staune nicht schlecht, als ich den jungen Mann mit modern zerrissener Hose sehe. Er hält ein Mikrophon in seiner Hand, singt ein typisch vietnamesisch klingendes Lied aus der Ecke „Pop“, mit der anderen Hand schiebt er eine riesige Box vor sich her, bleibt hin und wieder stehen und unterhält so, durch lässiges Auftreten die vorbeigehenden Menschen. Irgendwie lustig!



Dann mache ich mich wieder auf den Weg. In meiner Straße finden sich vornehmlich Geschäfte mit Kleidern. Ich bummel ein wenig und schaue, wandle ziellos umher. Auf einmal komme ich zu einem Laden in dem sie Mützen und Kapperl verkaufen. Davor sitzt Mutter mit Tochter und Sohn. Sie lächeln, ich auch. Aber die Tochter lacht mit blitzenden Augen, hält sich die Hand vor den Mund und krümmt sich, wahrscheinlich vor Bauchweh, das wiederum dem Lachen zuzuschreiben ist. Ich bleibe stehen und frage, was denn sei. Die Antwort gibt die Mutter. Sie hält ihre flache Hand in einer Höhe von circa einem Meter und sagt doch glatt: „Like Vietnamese!“ „So groß wie ein Vietnamese!“ Ich lächle auch und das Mädchen hat sich noch immer nicht beruhigt! Sehr schöne Begegnung.



Und man findet heute noch ganze Straßen, die eine Berufsgruppe beherbergen. Zum Beispiel befand sich bei meinem Hotel um die Ecke, die Straße, wo ein Lädchen am anderen mit Aquarien zu finden waren. Fische über Fische. An einer Ecke saßen knapp zehn Männer im Bogen derselben nebeneinander, jeder von ihnen hatte eine Handsäge vor sich aufgestellt, auf die er die Hand lässig stützte. Wenn man etwas zu zersägen hat, kommt man hier her. Bei uns undenkbar.



Ich frage jemanden nach dem Weg und sage: „Hang Manh?“ Er schaut mich sehr unverstehend an. Ich wiederhole langsam und deutlich: „Hang Manh!“ Keine Regung. Ich krame den Zettel heraus, auf dem die Straße vermerkt ist und zeige sie ihm. „Ah! Hang Manh!“ Für mich klingt’s genau so, wie ich’s gesagt habe, nun gut, auf jeden Fall kann er mir weiter helfen. Er zeigt wortlos in die Richtung, in der ich gerade unterwegs war. Mehr wollte ich ja auch gar nicht wissen. Wollte mich nur vergewissern, ob ich richtig sei, da es mir irgendwie komisch vorkam. Also weiter. Rechts und links sind offene Markthallen und die Gewissheit, dass ich gleich Fisch sehen werde, bestätigt sich. Meine Nase; die wusste das schon vor meinen Augen. Der Weg wird immer gatschiger, ist mir aber egal, meine Schuhe kennen mittlerweile ganz andere Unterlagen. Und dann bin ich einmal durch, durch den Markt, immer gerade aus, wie der nette Herr gezeigt hatte, nur: hier ist Ende. Ich frage erneut und der neue nette Herr versteht auch erst nicht, dann hellt sich, nachdem ich ihm meinen aus weiser Voraussicht bereitgehaltenen Zettel mit der Aufschrift „Hang Manh“ gezeigt habe, sein Gesicht auf und er meint: „Ah! Hang Manh!“ Ok, mir soll’s recht sein, wenn sie ihr eigenes Vietnamesisch besser verstehen als meins, Hauptsache, ich komm zu meinem Ziel. Er allerdings bestätigt nun mit seiner vollzogenen Geste, dass mich mein Gefühl zuvor doch nicht getäuscht hatte. Er deutet in die Richtung, aus der ich gerade gekommen war. Na prima; dann bin ich ja wohl bald da! Nachdem ich dann doch recht weit zurück gegangen war, kannte ich mich sehr schnell wieder aus.



Nach längerer Zeit öffnete sich die Türe zum Bahnsteig und alle strömten hinaus. Dort ging es zum Zug. Es roch nach Abgasen und Öl. Dann endlich bin ich bei meinem Wagon angekommen, eine nette Mitarbeiterin bestätigt, dass ich richtig sei, steige ein und kriege beim betreten des Abteils einen Schock. Es ist eiskalt. Draussen die extrem feuchte und heiße Luft und hier nun dieser Eisschrank. Eine Frau hat ihr Bett unter mir schon bezogen. Sie spricht anscheinend kein Englisch, so kommen wir nicht ins Gespräch und ich weiß auch nicht, ob sie überhaupt mag. Ich gebe all mein Gepäck auf mein oberes Bett, ziehe meine Schuhe aus und klappe eine kleine metallene Platte auf, um darauf zu steigen und mich hinauf zu hangeln. Wie ich oben ankomme, denke ich, mich laust der sprichwörtliche Affe! Die Klimaanlage ist genau zwischen mir und meinem gegenüber liegenden Bett installiert. Es bläst die eisige Luft genau auf mich. Was wird das wohl für eine Nacht werden. … Während ich darüber nachdenke, was da in den nächsten Stunden passieren wird, kommt eine Frau mit ihrer Tochter herein und mir ist die Klimaanlage, die Kälte und alles andere, schlagartig aber sowas von egal. Was für ein netter und hübscher Anblick, nice. Wir begrüßen uns und führen den üblichen Small-talk, woher, wohin, was für Pläne. Es stellt sich heraus, dass die beiden Neuankömmlinge aus Frankreich stammen und auch von Lao Cai weiter nach Bac Ha wollen. Na fein, denke ich und bin ein wenig aufgewühlt, hm!

Wir plaudern weiter und mittlerweile schaltet sich die Frau unter mir auch dazu. Allerdings spricht sie einfach Vietnamesisch und macht dazu eindeutige Gesten. Es ist lustig, aber irgendwie funktioniert’s auch so. Ich denke, man muss nur wollen, dann kann man auch alles, oder zumindest sehr viel verstehen. Zum Beispiel wurde unsere Vietnamesin auf einmal sehr lebhaft und hektisch und sagte irgendetwas aufgeregt. Normalerweise hätten wir null verstanden. Dadurch, dass sie ihre Hände zusammen klatschte und das einmal hier und einmal dort, war uns schlagartig klar: Moskitos! Wie nett. Sofort waren es nicht mehr nur zwei, sondern acht Hände die klatschten. Ich erwischte eine, sie trudelte hinab, meine hübsche Nachbarin bestätigte. Und wir bekamen sogar heraus, dass die vietnamesische Frau in Lao Cai wohnt.



Im mittleren Bereich, sind drei Personen tätig. Stetig und nie enden wollend, kleiden zwei rechts und links von der Hauptperson positionierte Frauen dieselbe in einer vielstufigen Zeremonie mit einer Art Umhang, Schal, Hut und unterschiedlichsten Utensilien, wie zum Beispiel ein Schwert, ein und um. Alles ist unglaublich farbenprächtig. Die mittlere Frau ist eine Schamanin, tanzt und macht mir unverständliche Bewegungen, nachdem sie neu gekleidet ist.

Und da sind sie schon wieder, meine drei kleinen Engelchen. Strahlend begrüßen sie mich erneut. Auf einmal schnappt das rechte Mädchen meine Hand, das linke Mädchen meinen Fotoapparat und ich werde rechts am Tempel vorbei gezogen. Der kleine Bub kommt auch hinterher. … Als wir oben ankommen, führt der Weg geradewegs in einen sehr kleinen Tempel. Das größere Mädchen geht in die Nähe und schreckt sofort zurück und drängt mich, nicht weiter zu gehen. Dort betet gerade jemand. Was für eine wundervolle, sensible Regung eines kleinen Mädchens. … Unten zeigen sie mir freudig in einem schlatzig grünen Wasser eine ebenso am Panzer begrünte Schildkröte. Auch ein Teil eines etwas größeren Tempels.

Dann geht’s wieder zurück zu meiner Bank. Das größere Mädchen ist drei Schritte vor mir dort und macht mit beiden Händen und Armen, eine elegante, graziös einladende Geste in Richtung der Bank; ich darf und sollte mich setzen.

Als ich dort sitze, stehen die drei fröhlichen Kinder um mich herum. Nun erwacht der Forschergeist in ihnen. Die Älteste greift auf einmal völlig unvermittelt mit drei Fingern nach meiner Nase und betastet sie, nur an der Spitze, danach gleich zur Kontrolle ihre eigene. Sofort folgt das jüngere Mädchen und der Bruder lässt sich dieses Highlight auch nicht entgehen. Ich muss wieder lächeln und kann mich vor Rührung dieser Regungen in diesen Kinderseelen nicht entscheiden, ob ich herzlich lachen, oder unfassbar verstummen soll. Sie haben mein Herz komplett getroffen.



Ich schaue und begutachte und die junge Verkäuferin holt aus hoher Höhe mit einer langen Stange, all die Kleidungsstücke zu mir herunter. So mittelspannend fand ich es, als ich ihr bei dieser Tätigkeit zuschauend bemerkte, dass in dem Moment, als sie das Kleidungsstück dort oben bewegte, Massen von Mücken Reißaus nahmen. Viele kamen mit der Jacke herabgeschwebt.

Mein Weg führt mich von Stand zu Stand. Einmal bedrängt einen jemand und möchte einen überzeugen, dass ein bestimmtes Produkt, höchste Priorität im Leben und zu vollendeter Glückseligkeit führen könne. Andere nehmen einen gar nicht wahr, da es etwas Spannenderes gibt, als einen Touristen; schließlich ist man modern und beschäftigt sich intensiv mit weiß-der-Himmel-was. Sie wischen und glotzen und ihr leerer Blick deutet darauf hin, dass sie von diesem kleinen technischen „Alleskönner“, in seinen Bann gezogen und dadurch komplett aus diesem prallen, farbenprächtigen Leben „entfernt“ wurden; sie sind einfach nicht da. Sie verpassen gerade das Leben. Aber sie sind jung und lieben die Ablenkung.



Kurz vor 12 Uhr am Mittag, komme ich bei brütender Hitze wieder beim Bus an. Mein „Freund“ ist auch schon da und winkt mich hektisch zu sich, ich brauche eine kurze Pause und setze mich auf ein kleines Mäuerchen vor dem Tempel in den Schatten. Bloß noch nicht in den Bus. Schwitzen tu ich schon und werd ich noch. Er wedelt weiter mit der typisch nach unten hängenden Hand; ich deute mit beiden Händen zurück: ‚Nur mit der Ruhe!’ Dann der Witz: er kommt zu mir und sagt, ich könne schon einmal bezahlen; 67.000 Dong. Ich schaue ihn an und sage, dass er doch gestern gesagt habe, dass es 57.000 Dong koste und das dies der Grund sei, warum ich da sei. Er jammert, es ist ihm gar nicht recht, aber er hat ja keine Chance, 57.000 hatte er gesagt und erinnert sich auch wieder dran… Ich gebe ihm 60.000. - - Waschen hier auch die einen Hände die anderen?

Nachdem er nun mein Fahrgeld erhalten hat, würde ich allzugerne vorne sitzen um noch einige Fotos machen zu können. Nein, er setzt mich neben eine Hmong in der vorletzten Reihe. Er stibitzt ihr ihren schwarzen traditionellen Hut und mir meine Kappe und setzt mir ihren Hut auf. Sie lächelt und er unterhält den ganzen Bus. Mir ist es etwas unangenehm, da er in meiner Sicht eine Grenze dieser lieben älteren Frau überschritten hat; sie nimmt’s mit Fassung hin. … Bei uns hinten ist’s echt schon voll, da dort auch ein riesiger Ventilator in der letzten Reihe untergebracht ist. Egal, einer passt schon noch hin. Klar, der quetscht sich irgendwie zwischen die anderen. Nachteil für mich: ein Rad des Ventilators drückt sich liebevoll an meine Schulter; wie angenehm. Dann kommt doch noch in letzter Minute vor der Abfahrt meine Rettung, in Form eines Mannes mit Tochter. Der Mann wird in alter Tradition, auch noch in der letzten Reihe untergebracht. Bevor er sich allerdings dort hinten verdrückt, wird der Ventilator kurzer Hand am Dach verstaut. Für das Mädchen ist nur noch die kleine Stufe neben mir im Gang frei. Ach wie toll, nun friere ich wenigstens nicht in der Hitze und Schwüle. Wunderbar! Nun sitze ich zwischen einer alten und jungen Frau. Die ältere wäre bestimmt lustig und aufgeschlossen, könnten wir miteinander kommunizieren. Wäre sie doch nur um schätzungsweise dreißig Jahre jünger, oder die Junge um dreißig Jahre älter. Das ist unfair!



Ein ebenfalls gerne rezitierter Satz ist auch, nachdem man ihr nichts abgekauft hat: „I follow you, forever!“ Eines Abends, nach kurzer Unterhaltung, höre ich diesen Satz auch wieder. Ich sagte ihr, dass ich nichts kaufen möchte und ausserdem gerade auf dem Weg zum Bankomat sei. Das scheint sie nur noch mehr zu motivieren. Nun gut, wenn sie mag, soll sie mir doch folgen. Allerdings das mit dem „für immer“ müssten wir dann vielleicht doch noch einmal gesondert verhandeln. Ich starte meinen Weg, die relativ steile Straße hinauf, in zügigen Schritten, da ich eigentlich auch ihre kurze Bekanntschaft nicht vertiefen wollte. Und da ist sie auch schon weg. Naja, dann hat sich das auch erledigt.

Ich entnehme dem Bankomat das ausgespuckte Geld und komme aus der kleinen Kabine heraus; - - Wer steht da und wartet, völlig ausser Atem? Meine „forever“. Sie möchte dies und fordert jenes, ohne zu bemerken, dass mein momentanes Interesse, man könnte sagen, diametral zu ihrem steht. So versuche ich es mit sanften, aber doch deutlichen Worten, die ihr klar machen sollen, dass unserer gemeinsamen Zukunft doch einige Hürden im Weg stehen. Da sprudeln doch die unmöglichsten und hier nicht zu wiederholenden Schimpfworte, aus diesem Persönchen, dass Du’s nicht glaubst. So trennen sich unsere Wege für diesen und auch alle folgenden Abende, sozusagen „forever!“.



Es ist wirklich langweilig, aber die letzte Nacht war nicht die wahre Erholung und dazu das Klima. Ich bin zwar wach, aber nicht wirklich anwesend. Dann werde ich durch einen Anblick, den ich nie vergessen werde, soetwas von munter; das hätte kein Kaffee geschafft. Sitzt doch die nette Empfangsdame der Rezeption mit ihren Lockenwicklern im Haar am Computer, als ob das die selbstverständlichste Sache der Welt wäre und bedient alle, die etwas brauchen. Würde sie zu mir herübersehen, hätte ich sie wahrscheinlich erschreckt, da sich der müde Mann mit den Schlitzaugen, in einen Frosch mit Glupschaugen verwandelt hatte. So etwas Urkomisches!



Zur Sicherheit probiere ich mein in Sa Pa gekauftes T-Shirt und staune nicht schlecht und ärgere mich verhalten und will das nun auf mich Zukommende, beim besten Willen nicht. Ein wenig lächele ich auch, laut auflachen wäre jetzt sicher angebracht und vor Lachen sich zu biegen ebenfalls, wenn ich mich nicht erneut auf den Weg machen müsste, um ein Hemd oder T-Shirt zu kaufen. Das was ich im Spiegel sehe und wenn ich an mir herunterschaue; - keine Chance. Weder in Vietnam und schon gar nicht in Österreich. Dieses vermeintliche T-Shirt ist lang, ziemlich lang, bis zu den Knien. Aussen kann ich es ob dieser Länge nicht tragen, logisch, innen gäb’s irgendwie Platzprobleme. Ausserdem, man möge sich dieses Bild bitte wirklich einmal intensiv in die Vorstellung bringen, hat es rechts und links diese typischen Schlitze im Hüft- und Taillenbereich, wie es in dem, von den Frauen getragenen traditionellen Ao Dai zu finden ist. Neckisch und mehr, aber nicht bei mir. Nein, das geht nun wirklich nicht, beim besten Willen.



Kurze Zeit später kommen unsere Werke aus dem Ofen. Nun heißt’s kreativ sein. Die nette Frau spricht mit meiner netten Frau. Ich habe nicht einmal die Hälfte verstanden; ist ja auch irgendwie logisch. So sitze ich an meinem letzten Tag in Vietnam auf einmal mit einer jungen Frau auf extrem niederen Plastikhockern und bemale einen Becher und Unterteller, welche ich zuvor modelliert hatte. Ich bemühe mich extrem, irgend etwas liebenswertes zu malen... - - Dann sehe ich zu ihr hinüber. Den Teller in Herzform hatte sie schon fertig bemalt. Dann dreht sie die Tasse zu mir und ich sehe etwas, das eine ziemlich starke Aussage bedeutet: ... „Darling!“... Ich sehe sie an und lächle. Sie mich und lächelt verschämt und verschmitzt zurück. Irgendetwas schwirrt da, glaub ich!